Pilotprojekt – Verbesserung des Landschaftswasserhaushalts
„Wasserrückhalt in Grünen Gräben“
Seit Jahrhunderten werden landwirtschaftliche Flächen entwässert. Durch das Ableiten von überschüssigem Wasser, wurde die Ertragsfähigkeit der Felder verbessert sowie eine frühzeitige Befahrbarkeit erreicht. Die Folgen des Klimawandels (steigende Temperaturen, mit heißeren Sommern und damit verbundenen längeren Trockenperioden) führten und führen jedoch zu immer weiter sinkenden Grundwasserspiegeln. Die Verschiebung von Niederschlägen aus den Sommermonaten in den Herbst oder Winter und zudem gehäuft auftretende Starkregenereignisse verschärfen die Trockenheit und Grundwasserknappheit weiter. Anfallendes Niederschlagswasser wird rasch aus der Fläche geleitet und somit dem Grundwasser sowie der Flur vorenthalten, wodurch die Ertragsfähigkeit der Böden nun durch Wasserknappheit gefährdet ist.
Angeregt durch die Regierungserklärung des Bayerischen Umweltministers Thorsten Glauber vom 28.10.2020, in welcher explizit gefordert wird „unseren Landschaftswasserhaushalt wiederherstellen“, „Wasser versickern so viel und so flächig wie möglich“, wurde in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Bauernverband und dem Landkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim ein Projektkonzept zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushalts entwickelt. Die aufgrund des Bayerischen Naturschutzgesetzes (Artikel 16 Absatz 1 Satz 1 Nr. 3 Bay-NatSchG in Verbindung mit VVWas) im Landkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim kartierten sog. „Grünen Gräben“ sollen versuchsweise zum Wasserrückhalt in der Fläche genutzt werden. Gewählt wurde der Projektlandkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim, da er bayernweit zu einem von drei Pilotlandkreisen zählt, in dem die Kulisse der Gewässerrandstreifen als Erstes überarbeitet und veröffentlicht wurde.
Auffällig häufig wurden im Zuge der Überarbeitung sogenannte „Grüne Gräben“ identifiziert. Als „Grüne Gräben“ werden hierbei Grabenabschnitte bezeichnet, die kein Gewässer darstellen und somit nicht dem Wasserrecht unterliegen und sich zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen befinden.
Ein "Grüner Graben" (= kein Gewässerrandstreifen) führt in der Regel so selten Wasser, dass sich gewässertypische Eigenschaften nicht ausreichend ausbilden können. Der "Grüne Graben" kennzeichnet sich deshalb dadurch, dass hier keine Gewässersohle erkennbar ist. Stattdessen liegt in der Regel ein klarer Grasbewuchs vor.
In dem stark landwirtschaftlich geprägten Landkreis mit ca. 70.000 ha Nutzfläche befinden sich um die 560 km Entwässerungsgräben. Der aktuell stattfindende Klimawandel, die historisch bedingte Entwässerungsstruktur in der Fläche sowie die Tatsache, dass der Landkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim in einer der niederschlagsärmsten Regionen Bayerns liegt, fordert nun Strategien und Maßnahmen zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushalts.
Abbildung 1: Typische Gegebenheiten für den Landkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim - Entwässerungsgraben zwischen landwirtschaftlichen Flächen
Durchgeführte Maßnahmen
Durch den Einbau von verschließbaren Stauwehren durch das Wasserwirtschaftsamt Ansbach soll Niederschlagswasser zeitweise zurückgehalten, der Sedimenteintrag in die Fließgewässer reduziert sowie eine Abschätzung zum räumlichen und zeitlichen Umfang des Sickerwassereintrags entlang der Gräben getroffen werden.
Abbildung 2: Standorte der Stauwehre mit geologischer Haupteinheit
Der Landkreis wird vom Fränkischen Schichtstufenland geprägt und lässt sich geologisch in drei Bereiche untergliedern. Im Osten liegt der Sandsteinkeuper vor, im Westen der untere Keuper und die Mitte des Landkreises ist vom Gipskeuper bestimmt.
Um zu ermitteln, ob sich bestimmte Standorte besonders für den Rückhalt von Wasser in Grünen Gräben eignen, wurden die Grabenstandorte dahingehend ausgewählt, dass sie sich in ihren Eigenschaften und durch ihre Gegebenheiten sichtlich voneinander unterscheiden und die örtlichen Gegebenheiten des Landkreises bestmöglich abbilden.
Neben den Stauwehren in den Gräben wurde jeder der vier Standorte mit verschiedenster Messtechnik ausgestattet. Diese umfasst Wasserstands- und Bodenfeuchte-Messsonden, um auf das aktuelle Wasserrückhaltevolumen in den Gräben sowie den Sickerwassereintrag schließen zu können. Außerdem wurden Wetterstationen zur Generierung standortbezogener Informationen zu Niederschlag und Temperatur installiert.
Abbildung 3: Schematische Darstellung eines Stauwehres mit Messtechnik in einem "Grünen Graben"
Messtechnik
Wasserstandssonde:
Wasserstandsmessung mittels Ultraschallsensor. Der ausgesendete Ultraschallimpuls wird von der Oberfläche reflektiert und vom Sensor erfasst. Über die Länge der Laufzeit lässt sich auf die Höhe des Wasserstands schließen.
Regenschreiber:
Messung nach dem „Kippeimer-Prinzip“. Die Sonde beinhaltet einen kalibrierten Sammelbehälter. Ist dieser vollständig gefüllt, wird ein elektrisches Signal an den Datenlogger gesendet.
Bodenfeuchtesonde:
Bestimmung des volumetrischen Wassergehalts. Gemessen wird die Laufzeit eines elektrischen Signals im Boden. Die dabei verwendete Frequenz (>100 MHz) ist hoch genug, um auch in tonigen Böden eine gute Funktion zu gewährleisten. Die Bodenfeuchtesensoren erfassen die Feuchtigkeit des Bodens vor und hinter dem Wehr, um bei Einstauereignissen Rückschlüsse auf die Infiltration des Wassers in den Bodenkörper zu ermöglichen. Aus diesem Grund sind vor und nach dem Wehr je zwei Stabsonden (Messtiefen 5cm, 15cm, 25cm, 35cm, 45cm, 55cm, 65cm, 75cm und 85cm) im Randbereich eingebaut.
Temperaturmessung:
Die Bodentemperatur wird über einen Sensor in der Bodenfeuchtesonde gemessen. Die Messung der Umgebungstemperatur erfolgt durch einen Sensor in der Wasserstandssonde.
Datenfernübertragung:
Alle Sensoren senden die Messwerte an einen Datenlogger. Die Übermittlung der Daten auf den Server erfolgt über SIM-Karte und Modem.
Projektziele
- Ermittlung von Potentialen des Wasserrückhalts in „Grünen Gräben“ zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushalts
- Sammlung erster praktischer Erfahrungen und deren Erfolgskontrollen in Bezug auf Bau, Betrieb und Positionierung der Querbauwerke sowie zur Abschätzung möglicher Pufferwirkungen
- Abschätzung des räumlichen und zeitlichen Umfangs des Sickerwassereintrags entlang der Gräben
- Wissensgenerierung für weitere strategische Überlegungen und Maßnahmen zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushalts in trockenen Regionen
- Abschätzung von Potentialen des Sedimentrückhalts in „Grünen Gräben“
- Verbesserung der Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Wasserwirtschaft und Landwirtschaft
Projektorganisation
Die Projektorganisation und -durchführung erfolgt federführend durch das Wasserwirtschaftsamt Ansbach in Vertretung für den Freistaat Bayern. Dieser übernimmt auch die Finanzierung des Projekts. Als Projektpartner unterstützen der Bayerische Bauernverband sowie der Landkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim. Seit September 2023 wird das Projekt außerdem von der TU München wissenschaftlich begleitet. Als erweiterte Projektpartner treten die örtlichen Kommunen sowie die jeweiligen Flächenbewirtschafter auf. Letztere sind als unmittelbar Betroffene, gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt Ansbach, für die Steuerung der Stauvorrichtungen verantwortlich.
Wissenschaftliche Begleitung der TU München
Um die Einzugsgebiete, die Fließwege des Wassers und die Ausbreitung der Bodenfeuchte modelltechnisch zu untersuchen, wurde die TU München zur wissenschaftlichen Begleitung beauftragt. Mittels hydrologischer Modellierung auf zwei unterschiedlichen Skalen (Graben und Einzugsgebiet) wird versucht für verschiedene Klimaszenarien die Effektivität und eine Übertragung auf andere Standorte abzubilden.
Einstau Buchholzgraben am 30.01.2024
Fernsehbeitrag "Unser Land", Bayerischer Rundfunk vom 13.03.2026:
"Grüne Gräben in Mittelfranken"
Standorte
Bad Windsheim (Ickelheim) - Langenwasengraben
Abbildung 4: Stauwehr im Langenwasengraben
Steckbrief
- Name des Grabens: Langenwasengraben
- Ort: Ickelheim
- Gemeinde: Bad Windsheim
- Geologische Haupteinheit: Gipskeuper
Kenndaten
- Staulänge: ca. 36 m
- Stauvolumen: ca. 12 m³
- Stauhöhe: 0,6 m
- Einzugsgebiet: ca. 1,8 km²
Abbildung 5: Einzugsgebiet des Langenwasengrabens bis zum Stauwehr
Abbildung 6: Einstau Langenwasengraben
Messergebnisse des Langenwasengrabens
In der folgenden Abbildung werden der Wasserstand und der Niederschlag in den Jahren 2024 und 2025 dargestellt und veranschaulicht. Die gefallene Niederschlagsmenge pro Zeiteinheit (mm/t entspricht Millimeter pro Tag) kann durch die blauen Balken auf der primären Y-Achse abgelesen werden. Der Wasserstand im Graben wird durch die orange Linie dargestellt. Die sekundäre Y-Achse zeigt den Wasserstand (mm) vor dem Wehr. Der niedrigste Wert der Linie ist abhängig von der Tiefe der Gräben. Die Grabensohle liegt bei -580 mm. Bei diesem Wert befindet sich im Graben kein Wasser. Sobald der Wert 0 mm erreicht wird (gekennzeichnet durch die rote Linie), befindet sich das Wehr im Volleinstau. Bei Werten im positiven Bereich (oberhalb der roten Linie) wird das Wehr überströmt.
Abbildung 7: Zeitreihe Wasserstand und Niederschlag Langenwasengraben 2024 und 2025
Die Einstauereignisse beim Langenwasengraben (Abbildung 7) sind durch das geringe Füllvolumen von 12 m³ verhältnismäßig kurz. Im Sommer wurde trotz teilweise hoher Niederschläge, bisher noch kein Einstauereignis dokumentiert, mit einer Ausnahme im Juni 2024. Als Grund dafür können verschiede Ursachen in Frage kommen. Zum einen wird oberhalb des Stauwehrs eine Doline im Graben vermutet, bei welcher eine genauere Untersuchung noch aussteht. Zum anderen bilden sich im Sommer schnell tiefe Trockenrisse im tonigen Boden, in welchen viel Wasser abfließen könnte. Auch der Wasserbedarf der Vegetation fällt im Frühling und Sommer höher aus. Wenn es zum Einstau kommt, sind diese meistens mit einem sehr hohen Wasserstand und größtenteils mit einem Überströmen des Wehrs verbunden. Dies liegt daran, dass sich die 12 m³ Speichervolumen bei einem entsprechendem Regenereignis schnell füllen und das Wehr somit schnell überströmt. Die Einstauereignisse liegen stets zwischen November und April mit einer Ausnahme im Juni 2024. Im Juli und August 2025 kam es zu einem Ausfall der Wasserstandssonde sowie der mobilen Datenübertragung.
Markt Ipsheim (Oberndorf) - Bodenfeldgraben
Abbildung 8: Stauwehr im Bodenfeldgraben
Steckbrief
- Name des Grabens: Bodenfeldgraben
- Ort: Oberndorf
- Gemeinde: Markt Ipsheim
- Geologische Haupteinheit: Gipskeuper
Kenndaten
- Staulänge: ca. 65 m
- Stauvolumen: ca. 19 m³
- Stauhöhe: 0,5 m
- Einzugsgebiet: ca. 0,34 km²
Abbildung 9: Einzugsgebiet des Bodenfeldgrabens bis zum Stauwehr
Abbildung 10: Einstau im Bodenfeldgraben
Messergebnisse des Bodenfeldgrabens
In der folgenden Abbildung werden der Wasserstand und der Niederschlag in den Jahren 2024 und 2025 dargestellt und veranschaulicht. Die gefallene Niederschlagsmenge pro Zeiteinheit (mm/t entspricht Millimeter pro Tag) kann durch die blauen Balken auf der primären Y-Achse abgelesen werden. Der Wasserstand im Graben wird durch die orange Linie dargestellt. Die sekundäre Y-Achse zeigt den Wasserstand (mm) vor dem Wehr. Der niedrigste Wert der Linie ist abhängig von der Tiefe der Gräben. Die Grabensohle liegt bei -474 mm. Bei diesem Wert befindet sich im Graben kein Wasser. Sobald der Wert 0 mm erreicht wird (gekennzeichnet durch die rote Linie), befindet sich das Wehr im Volleinstau. Bei Werten im positiven Bereich (oberhalb der roten Linie) wird das Wehr überströmt.
Abbildung 11: Zeitreihe Wasserstand und Niederschlag Bodenfeldgraben 2024 und 2025
In Abbildung 11 fällt auf, dass der Bodenfeldgraben viel sensibler auf Niederschläge reagiert, als es am Langenwasengraben der Fall ist. So konnten seit Beginn der Messreihe zahlreiche Einstauereignisse gemessen werden. Auch an diesem Standort kommt es vor allem im Winter regelmäßig zu Überströmungen des Wehrs. Durch die hohe Niederschlagsdichte im Frühjahr 2024 gab es sogar im Juni noch ein Einstauereignis mit Überlauf. Ebenfalls nennenswert ist die Zeitdauer von 8 Monaten (Dezember 2023 bis Juli 2024), in welcher das Wehr eingestaut war.
Uffenheim (Vorderpfeinach) - Buchholzgraben
Abbildung 12: Stauwehr im Buchholzgraben
Steckbrief
- Name des Grabens: Buchholzgraben
- Ort: Vorderpfeinach
- Gemeinde: Uffenheim
- Geologische Haupteinheit: Löß, Lößlehm
Kenndaten
- Staulänge: ca. 104 m
- Stauvolumen: ca. 78 m³
- Stauhöhe: 0,8 m
- Einzugsgebiet: ca. 0,16 km²
Abbildung 13: Einzugsgebiet des Buchholzgrabens bis zum Stauwehr
Abbildung 14: Einstau im Buchholzgraben
Messergebnisse des Buchholzgrabens
In der folgenden Abbildung werden der Wasserstand und der Niederschlag in den Jahren 2024 und 2025 dargestellt und veranschaulicht. Die gefallene Niederschlagsmenge pro Zeiteinheit (mm/t entspricht Millimeter pro Tag) kann durch die blauen Balken auf der primären Y-Achse abgelesen werden. Der Wasserstand im Graben wird durch die orange Linie dargestellt. Die sekundäre Y-Achse zeigt den Wasserstand (mm) vor dem Wehr. Der niedrigste Wert der Linie ist abhängig von der Tiefe der Gräben. Die Grabensohle liegt bei -717 mm. Bei diesem Wert befindet sich im Graben kein Wasser. Sobald der Wert 0 mm erreicht wird (gekennzeichnet durch die rote Linie), befindet sich das Wehr im Volleinstau. Bei Werten im positiven Bereich (oberhalb der roten Linie) wird das Wehr überströmt.
Abbildung 15: Zeitreihe Wasserstand und Niederschlag Buchholzgraben 2024 und 2025
Am Buchholzgraben (Abbildung 15) sind sehr ausgedehnte Einstauereignisse auffällig. Dies ist auf das große Stauvolumen des Projektstandorts (78 m³) zurückzuführen. An diesem Standort wurden zu allen Jahreszeiten Einstauereignisse dokumentiert. Hier kommt es sogar im Hochsommer (siehe Juli 2024) zu Einstauereignissen, was bei den anderen beiden Standorten nicht der Fall war. Dies ist besonders überraschend, da der Buchholzgraben mit 16 ha das kleinste Einzugsgebiet und das größte Füllvolumen aufweist. Ebenfalls sehr erwähnenswert ist das Einstauereignis vom November 2024 bis Ende Mai 2025, welches sich über 7 Monate erstreckt hat. Während dieser Zeit kam es häufig auch zum Überlauf des Wehrs.
Im Zeitraum von Oktober 2025 bis Anfang Dezember 2025 kam es zu einem Ausfall der Utraschallsonde sowie der mobilen Datenübertragung. Durch den Ausfall der Sonde kam es zu einer Lücke in der Datenreihe, welche in der Grafik zu sehen ist. Die Sonde wurde repariert und befindet sich seit Anfang Dezember 2025 wieder im regulären Betrieb.
Gerhardshofen
Abbildung 16: Stauwehr im Graben bei Gerhardshofen
Steckbrief
- Ort: Gerhardshofen
- Gemeinde: Gerhardshofen
- Geologische Haupteinheit: Sandsteinkeuper
Kenndaten
- Staulänge: ca. 43 m
- Stauvolumen: ca. 9 m³
- Stauhöhe: 0,5 m
- Einzugsgebiet: ca. 0,14 km²
Abbildung 17: Einzugsgebiet des Grabens bei Gerhardshofen bis zum Stauwehr
Abbildung 18: Einstau im Graben von Gerhardshofen
Messergebnisse des Grabens bei Gerhardshofen
In der folgenden Abbildung werden der Wasserstand und der Niederschlag in Jahren 2024 und 2025 dargestellt und veranschaulicht. Die gefallene Niederschlagsmenge pro Zeiteinheit (mm/t entspricht Millimeter pro Tag) kann durch die blauen Balken auf der primären Y-Achse abgelesen werden. Der Wasserstand im Graben wird durch die orange Linie dargestellt. Die sekundäre Y-Achse zeigt den Wasserstand (mm) vor dem Wehr. Der niedrigste Wert der Linie ist abhängig von der Tiefe der Gräben. Die Grabensohle liegt bei -546 mm. Bei diesem Wert befindet sich im Graben kein Wasser. Sobald der Wert 0 mm erreicht wird (gekennzeichnet durch die rote Linie), befindet sich das Wehr im Volleinstau. Bei Werten im positiven Bereich (oberhalb der roten Linie) wird das Wehr überströmt.
Abbildung 19: Zeitreihe Wasserstand und Niederschlag Graben Gerhardshofen 2024 und 2025
Der Graben bei Gerhardshofen wurde im Dezember 2024 installiert und ist somit der jüngste Projektstandort, an dem ein Stauwehr errichtet wurde. Er weist das kleinste Einzugsgebiet und das geringste Stauvolumen auf. Auffällig ist, dass der Graben seit Beginn der Messungen direkt einen Einstau mit einem dauerhaften Überlauf bis Anfang April aufweist. In den Sommermonaten, mit Ausnahme im September 2025, konnten bisher keine Einstauereignisse trotz diverser Niederschläge beobachtet werden.
Vergleich der Projektstandorte
Jahr 2024
Die Abbildung 20 zeigt die absoluten Wassermengen, die im Jahr 2024 in den einzelnen Grabenstandorten abgeflossen sind. Dabei stellen die blauen Balken die Menge dar, welche das Stauwehr überströmt hat, während der orangefarbene Anteil die zurückgehaltene Wassermenge widerspiegelt.
Zu beachten sind hier die unterschiedlich großen Einzugsgebiete und die Einstauvolumina, welche in Klammern notiert sind.
Abbildung 20: Einstau, Überlauf und Niederschlag der Standorte im Jahr 2024
Im Jahr 2024 verzeichnete der Langenwasengraben aus einem Einzugsgebiet von 180 Hektar den höchsten Wasserabfluss mit insgesamt 7.145 m³, von dem 79 m³ zurückgehalten werden konnten. Danach folgt der Buchholzgraben mit einer Wassermenge von 4.650 m³. Davon konnten 560 m³ zurückgehalten werden. Der Bodenfeldgraben kommt auf eine Wassermenge von 3.975 m³, mit einem Rückhalt von 129 m³. Der Graben bei Gerhardshofen wurde erst am 13.12.2024 fertiggestellt und wird hier nicht näher betrachtet. Durch das große Stauvolumen am Buchholzgraben (78 m³) konnten ca. 12 % des Gesamtabflusses 2024 zurückgehalten werden.
Jahr 2025
Die Abbildung 21 zeigt die absoluten Wassermengen, die im Jahr 2025 in den einzelnen Grabenstandorten abgeflossen sind. Dabei stellen die blauen Balken die Menge dar, welche das Stauwehr überströmt hat, während der orangefarbene Anteil die zurückgehaltene Wassermenge widerspiegelt.
Zu beachten sind hier die unterschiedlich großen Einzugsgebiete und die Einstauvolumina,welche in Klammern notiert sind.
Abbildung 21: Einstau, Überlauf und Niederschlag der Standorte im Jahr 2025
Im Jahr 2025 sind die Wassermengen anders verteilt als im Jahr 2024 (Abbildung 21). Beim Langenwasengraben ist mit 752 m³ deutlich weniger Wasser abgeflossen als im Jahr zuvor. Auch die Niederschlagsmenge weicht in den beiden Jahren voneinander ab. Im Jahr 2024 gab es einen Jahresniederschlag von 750 mm, während im Jahr 2025, knapp die Hälfte, mit nur 382 mm gemessen wurden. Beim Buchholzgraben hat die Wassermenge um ca. 1.000 m³ zugenommen, obwohl die Niederschlagsmenge im Jahr 2025 mit 438 mm sogar abgenommen hat. Die zurückgehaltene Wassermenge ist ebenfalls mit 132 m³ um das Vierfache gesunken, als im Jahr zuvor.
Ebenfalls rückläufig ist der Bodenfeldgraben. Obwohl der Jahresniederschlag nahezu gleichgeblieben ist, konnte hier nur ein Abfluss von 1.421 m³ dokumentiert werden. Spitzenreiter im Jahr 2025 ist der Graben bei Gerhardshofen. Mit einem Gesamtabfluss von 7.367 m³ hat dieser sogar den Abfluss des Langenwasengrabens von 2024 übertroffen, obwohl der Graben bei Gerhardshofen das kleinste Einzugsgebiet (14 ha) aufweist. Auch ist das Einstauvolumen mit ca. 9 m³ das kleinste aller Gräben und somit konnten lediglich 22 m³ zurückgehalten werden.
Bodenfeuchte
Bodenfeuchte am Beispiel Buchholzgraben Sommer 2025
Die Messung der Bodenfeuchte soll erste Abschätzungen über die Infiltrationsfähigkeit des Bodens und über den Einfluss der Einstauereignisse auf die umliegenden Flächen geben. Die Bodenfeuchtesonden am Rand des Grabens sind 90 cm lange Stabsonden und messen die Bodenfeuchte in verschiedenen Tiefen (5 cm, 15 cm, 25 cm, 35 cm, 45 cm, 55 cm, 65 cm, 75 cm, 85 cm).
Aus Gründen der Übersichtlichkeit und da die oberen Messpunkte besonders anfällig für oberflächliche Einflüsse wie Hitze und Niederschlag sind, wurde sich im Folgenden auf die Messtiefen 45 cm und 85 cm beschränkt. In den nachfolgenden Abbildungen wurden für den Buchholzgraben die beiden Bodenfeuchtesonden an der Böschungskante im Einstaubereich mit der Sonde unterhalb des Wehrs, verglichen. Im obersten Diagramm sind der Niederschlag und der Wasserstand im Graben dargestellt. Darunter folgen die verschiedenen Ganglinien der Bodenfeuchte in den verschiedenen Tiefen. Abgebildet ist die Zeitspanne vom 01.09.2025 bis 30.09.2025.
Abbildung 22: Bodenfeuchte am Buchholzgraben
Bei beiden Bodenfeuchtesonden 80 und 56 ist zu erkennen, dass die Bodenfeuchte bei den vermehrten Niederschlägen und den Einstauereignissen um den 24.09.2025 in 45 cm Tiefe deutlich ansteigt.
Vergleicht man die unterschiedlichen Tiefen der Sonden miteinander, fällt auf, dass die Bodenfeuchte in tieferen Bodenschichten eine geringere Schwankungsbreite aufweist.
Der Volumetrische Wassergehalt in 45 cm Tiefe reagiert deutlicher auf die einzelnen Einstauereignisse. In den Zeiträumen ohne Einstauereignisse sinkt die Bodenfeuchte deutlich ab und steigt mit den Einstauereignissen schlagartig wieder an.
Stellt man die Bodenfeuchtesonden 80 und 56 in 45 cm gegenüber, wird deutlich, dass bei einem Einstauereignis der volumetrische Wassergehalt bei der Sonde im Einstaubereich des Wehrs (80) auf ein deutlich höheres Niveau steigt als bei der Sonde unterhalb des Wehres (56). Selbst in niederschlagsarmen Perioden hält die Sonde (80) im Einstaubereich den hohen Level von ca. 40 %, im Gegensatz zur Sonde 56, welche sich bei ca. 31 % einpendelt.
Bodenfeuchte am Beispiel Bodenfeldgraben Sommer 2023
Die Messung der Bodenfeuchte soll erste Abschätzungen über die Infiltrationsfähigkeit des Bodens und über den Einfluss der Einstauereignisse auf die umliegenden Flächen geben. Die Bodenfeuchtesonden am Rand des Grabens sind 90 cm lange Stabsonden und messen die Bodenfeuchte in verschiedenen Tiefen (5 cm, 15 cm, 25 cm, 35 cm, 45 cm, 55 cm, 65 cm, 75 cm, 85 cm).
Aus Gründen der Übersichtlichkeit und da die oberen Messpunkte besonders anfällig für oberflächliche Einflüsse wie Hitze und Niederschlag sind, wurde sich im Folgenden auf die Messtiefen 45 cm und 85 cm beschränkt. In den nachfolgenden Abbildungen wurden für den Bodenfeldgraben die beiden Bodenfeuchtesonden an der Böschungskante im Einstaubereich mit der Sonde unterhalb des Wehrs, verglichen. Im obersten Diagramm sind der Niederschlag und der Wasserstand im Graben dargestellt. Darunter folgen die verschiedenen Ganglinien der Bodenfeuchte in den verschiedenen Tiefen. Abgebildet ist die Zeitspanne vom 01.07.2025 bis 30.09.2023.
Abbildung 23: Bodenfeuchte am Bodenfeldgraben
Bei den Bodenfeuchtesonden ist zu erkennen, dass die Bodenfeuchte bei den vermehrten Niederschlägen und den Einstauereignissen um den 04.08.2023 deutlich ansteigt.
Große Unterschiede fallen dabei sowohl bei den unterschiedlichen Bodenfeuchtesonden auf als auch bei den verschiedenen Tiefen in denen gemessen wurde.
Vergleicht man die unterschiedlichen Tiefen der Sonde 46 miteinander, fällt auf, dass die Bodenfeuchte in tieferen Bodenschichten eine geringere Schwankungsbreite aufweist. Der Wassergehalt in 45 cm Tiefe reagiert deutlicher auf die einzelnen Einstauereignisse. In den Zeiträumen ohne Einstauereignisse sinkt die Bodenfeuchte der Sonde 46 in 45 cm deutlich auf etwa 19 % ab und steigt mit den Einstauereignissen schlagartig wieder an. Vergleicht man die Bodenfeuchtesonden 46 und 57 miteinander, wird deutlich, dass die Bodenfeuchte der Sonde 57 sowohl deutlich schneller sinkt, als auch langsamer ansteigt.
Die hellgrüne Linie (Tiefe 85 cm) ist bei der Sonde 57 unbeständiger und nimmt im niederschlagsarmen Zeitraum um ca. 5 % ab. Bei Sonde 46 (dunkelgrüne Linie) verläuft der Graph konstant bei 46-47 %. Dazu kommt, dass der Wassergehalt bei der Sonde unterhalb des Wehres auf ein deutlich niedrigeres Niveau sinkt als bei der Sonde im Einstaubereich. Die Minimalwerte liegen bei Sonde 57 (45 cm) bei etwa 5 % (21.07.2023), während zur gleichen Zeit die Werte bei der Sonde 46 bei ca. 19 % liegen. Laut dieser Auswertung verbessert man somit nicht nur die Bodenfeuchte in Zeiten von Einstauereignissen, sondern auch in den Zeiten, wo das Wehr kein Wasser zurückhält.
Allgemein lässt sich sagen, dass die Messwerte der Sonde im Einstaubereich durchgängig höher ausfallen, was demnach die positive Auswirkung des Wehres im Einstaufall zeigt.
Zusammenfassung / Fazit
- Planmäßiger Betrieb der vier Projektstandorte
- Enger und guter Austausch mit den praktizierenden Landwirten vor Ort
- Gemessene Abflüsse haben die Erwartungen weit übertroffen
- Bodenfeuchte steigt im Einstaubereich deutlich schneller an als unterhalb des Stauwehres und sinkt auch langsamer ab
- Großes öffentliches Interesse am Projekt über Bayern hinaus
- Wissenschaftliche Begleitung durch die TU München seit September 2023
- Keine befürchtete Vernässung der angrenzenden Äcker durch den Einstau
