Überprüfung und Sanierung des Obernzenner Sees
Um den Markt Obernzenn vor Hochwasser zu schützen, wurde in den Jahren 1978-1980 das Hochwasserrückhaltebecken „Obernzenner See“ errichtet. Das Herzstück bildet der 380 m lange Damm im Osten des Stausees mit Betriebsauslass und Hochwasserentlastung. Die Wasserfläche des Obernzenner Sees ist zudem ein beliebtes Ausflugsziel für Badegäste und Angler.
Abbildung 1: Am 18.11.2025 wurde der Wiedereinstau des Obernzenner Sees mit dem Bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber offiziell gestartet.
Zeitplan und Sanierungsmaßnahmen
Damit der 1981 in Betrieb genommene Stausee auch die folgenden Jahrzehnte weiterhin seine Funktionen erfüllen kann, hat das Wasserwirtschaftsamt Ansbach im Jahr 2025 aufwendige Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Das Ablassen des Sees war dafür unumgänglich. Die erforderlichen Maßnahmen erfolgten in enger Abstimmung mit den Betroffenen vor Ort.
Erforderliche Maßnahmen:
5) Aufstauvorgang des Obernzenner Sees (Winter 2025/2026)
Die Überprüfung und Sanierung der Hochwasserschutzanlage wurden im November 2025 erfolgreich beendet. Der offizielle Wiedereinstau des Obernzenner Sees begann am 18. November 2025 zusammen mit dem Bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber. Der Grundablass-Schieber ist geschlossen und der Wiedereinstau des Sees gestartet. Die Erfahrungen vergangener Absenkungen lassen erwarten, dass der Einstau des Sees nach nur wenigen Monaten erreicht wird. Einer Freizeit- und Badenutzung steht für das Jahr 2026 somit nichts im Wege.
4) Baudurchführung
Die Absenkung des Stausees im Jahr 2025 war vor allem aufgrund der drei folgenden Maßnahmen erforderlich:
- Sanierung der Grundablassleitung:
Die Grundablassleitung steht bei Vollstau des Obernzenner Sees unter Wasser. Sie befindet sich in der Dammmitte und dient der Ableitung von Wasser aus dem Stausee in die Zenn. Die Absenkung ermöglicht eine Inaugenscheinnahme und Überprüfung des baulichen Zustands. Eine Dichtheitsprüfung sowie eine Kamerabefahrung im November 2024 haben einen guten baulichen Zustand der Grundablassleitung bestätigt. Die bereits bekannten sanierungsbedürftigen Fugenbänder wurden entfernt und die Rohrelemente neu verfugt.
Abbildung 5: Kamerabefahrung und Dichtheitsprüfung der Grundablassleitung im November 2024
- Erneuerung der Sickerleitung: Die Sickerleitung befindet sich auf der wasserabgewandten Seite des Dammes. Sie dient der Sammlung und geordneten Ableitung von Sickerwasser aus dem Dammbereich in die Zenn. Festgestellte Mängel im Zuge einer Kamerabefahrung machten eine Erneuerung der Sickerleitung erforderlich.
Abbildung 6: Erneuerung der Sickerleitung im September 2025
- Sedimententnahme und -verwertung: In den letzten Jahrzehnten haben sich viele Sedimente im Obernzenner See abgelagert. Über 23.000 m³ Sediment konnten zwischen Juni und August entnommen und nach umfangreicher Untersuchung auf rund 50 ha Ackerland zur Bodenverbesserung verwertet. Das Wasserwirtschaftsamt dankt allen landwirtschaftlichen Betrieben für die Bereitstellung der Ackerflächen, ein positives Beispiel für die Zusammenarbeit der Land- und Wasserwirtschaft.
Abbildung 7: Großangelegte Sedimenträumung von Juni-August 2025
Abbildung 8: Großangelegte Sedimenträumung von Juni-August 2025
3) Naturschutzfachliche Ausgleichsmaßnahmen (in den Jahren 2024/2025)
Um die ökologisch wertvollen Uferbereiche im Westen des Stausees nicht zu stören, fanden hier keine baulichen Eingriffe statt. Für die wasserabhängigen Tierarten wurden vor der Absenkung Ersatzlebensräume angelegt. Neu geschaffene Muldenstrukturen entlang des Mölbenbächl und der Zenn dienen als Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Die Muldenstrukturen blieben auch nach der Absenkung des Stausees erhalten, sodass eine dauerhafte Aufwertung für die Tier- und Pflanzenwelt entstand. Neben den gesetzlich erforderlichen Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen realisierte der Markt Obernzenn zeitgleich zusätzliche Naturschutzmaßnahmen zur ökologischen Aufwertung des Seeumfelds.
Abbildung 9: Blick auf das Westufer des Obernzenner Sees mit Einmündung von Mölbenbächl und Zenn
Abbildung 10: Blick auf die neu geschaffenen Muldenstrukturen entlang der Zenn zur Aufwertung der Tier- und Pflanzenwelt (September 2024)
2) Absenkvorgang, Muschelabsammlung und Abfischaktion (Oktober/November 2024)
Über einen Zeitraum von sechs Wochen vom 16. September 2024 bis zum 02. November 2024 wurde der Obernzenner See abgesenkt, um das Wasser langsam über die Zenn abzuführen. Währenddessen haben der Markt Obernzenn und das Wasserwirtschaftsamt Ansbach insgesamt 3.500 heimische Teichmuscheln gesammelt und in die Zuläufe des Stausees umgesiedelt. Der Absenkvorgang wurde am 02. November mit einer großangelegten Abfischaktion beendet. Vielen Dank an alle fleißigen Helfer des Fischereivereins Markt Obernzenn e.V., welche die Abfischung organisiert und durchgeführt haben.
Abbildung 3: Absammlung und Umsiedlung von Muscheln während des Absenkvorgangs.
Abbildung 4: Abfischung des Obernzenner Sees am 02. November 2024.
1) Vertiefte Überprüfung
Aufgrund des Alters der Stauanlage und der Hochwasserbetroffenheit in den Jahren 2016 und 2021 hat das Wasserwirtschaftsamt Ansbach den Zustand aller Bauwerke überprüft.
Umfang der vertieften Überprüfung:
- Hydrologische und hydraulische Überprüfung der Stauanlage
- Zustand und Standsicherheit des Dammbauwerks
- Zustand des Massiv- und Stahlwasserbaus
- Überprüfung der Überwachungseinrichtungen der Stauanlage
Abbildung 2: Die Standsicherheit des Dammes wurde mit vier Kernbohrungen im Mai 2024 nachgewiesen.
